Das Abschlussmantra

Auch in einer Mysore Klasse versuche ich, dass Abschlussmantra zu singen. Da die traditionelle Mysore Klasse es mit sich bringt, dass nicht alle SchülerInnen gleichzeitig ihre Praxis beenden, kann es durchaus vorkommen, dass man selbst dies gar nicht mitbekommt, weil man längst fertig ist oder aber, dass man noch praktiziert.
Wenn ich noch am praktizieren bin, wie gehe ich mit der Situation um, wenn das Mantra gesungen wird? Und wie, wenn ich gerade in der finalen Ruhephase liege? Wie gehe ich damit um, wenn ich meine Praxis früher beende?

Ich möchte hier kurz auf diese verschiedenen Situationen eingehen und an dieser Stelle gleich betonen: es gibt sicherlich kein „richtig oder falsch“. Es ist die individuelle Entscheidung eines Shalas bzw des unterrichtenden Lehrers und insofern man in einem „fremden“ Studio praktiziert sollte man aus Respekt vorsichtig versuchen zu sehen, was denn vor Ort „die Etikette“ ist. Meine Herangehensweise hier ist natürlich subjektiv und eben “meine” Anschauung 🙂

  • Ich beende meine Praxis als eine der Ersten.
    In diesem Fall sollte, wie auch bspw. beim Später-Kommen bzgl. des Eröffnungsmantras, auf die allgemeine Ruhe im Raum Rücksicht genommen werden. Es steht jedem frei, für sich – still, in Gedanken, oder SEHR LEISE geflüstert – das Abschlussmantra zu „chanten“. Von einem hörbaren Singen sollte bitte aus verschiedenen Gründen abgesehen werden.
  • Ich habe meine Praxis so beendet, dass ich entweder genau vor oder genau nach meiner Ruhephase bin, wenn das Mantra gechanted wird.
    Es steht einem frei, leise mitzuchanten, in Gedanken mitzuchanten oder einfach nur still zu sitzen/liegen.
  • Ich befinde mich in der Abschlusssequenz meiner Asana Praxis, während gechanted wird.
    Es steht einem frei, inne zu halten und sich siehe (2) zu besinnen oder aber einfach im Rhythmus bleibend seine Asana Praxis fortzusetzen und in Ruhe zu beenden.

Wie euch vielleicht bereits aufgefallen ist, chante ich das Abschlussmantra erst, sobald der letzte SchülerIn Sirsasana beendet hat. Fühlt euch nicht dazu verpflichtet, eure Asana Praxis oder gar die finale Ruhephase für den Chant zu unterbrechen – das erwarte ich nicht!  Es soll innerhalb dieses Rahmens jeder für sich entscheiden, was ihm am angenehmsten erscheint.

Insofern ich das Abschlussmantra im Modus des Vor- und Nachsingens machen möchte, sage ich dies explizit an.

Ich habe über die Jahre meinen Umgang hiermit „sich entwickeln lassen“ und mich immer wieder mit meinen Lehrern darüber ausgetauscht. Aktuell gefällt mir diese Handhabe sehr gut – und ich hoffe auch euch wird hiermit ein schöner Rahmen geboten.

Das Mangala Mantra:
Svasti praja bhyah paripala yantam
Nyayena margena mahim mahishaha
Go brahmane bhyah shubhamastu nityam
Lokah samastah sukhino bhavantu

Eine mögliche Übersetzung:
Der spirituelle Reichtum sei hoch gerühmt.
Mögen die Verwalter der Welt sie gerecht und korrekt lenken, damit alles Göttliche und Weise geschützt ist, und alle Wesen glücklich und berücksichtigt sind.

Namaste

Hinweis

Es handelt sich hier um subjektive Gedanken und Eindrücke der Autorin, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Richtigkeit erheben. Wir leben in einer subjektiv, individuellen Welt – die absolute Wahrheit gibt es sowieso nicht.